Beschreibung

Bei den Folienkaschierklebstoffen der Serie Jowacoll® 764.xx handelt es sich chemisch um Dispersionsklebstoffe auf Basis von Acrylat-Copolymeren. Die Klebstoffe wurden speziell für Anwendungen im Bereich der Folienkaschierung entwickelt. Damit bieten die Klebstoffe ein breites Adhäsionsspektrum für die in dem Bereich der Druckveredelung zur Anwendung kommenden Folien (z.B. OPP-, PET-, Acetat- oder kompostierbare Folien) und Druckfarben.

 

Die Jowacoll®-Folienkaschierklebstoffe sind selbstvernetzende Systeme, die sowohl 1- als auch 2-komponentig verarbeitet werden können (ob eine 2-komponentige Verarbeitbarkeit gegeben ist, entnehmen Sie bitte dem technischen Datenblatt). Zusätzlich sind viele Klebstoffe für den Einsatz bei Verpackungen mit Lebensmittelkontakt gemäß den Anforderungen EU 1935/2004 bewertet und geprüft.

Eigenschaften von Dispersionsklebstoffen

Aufbau

Bei Dispersionsklebstoffen handelt es sich um ein Zweiphasengemisch. In einem wässrigen Trägermedium sind feste Kunststoffteilchen homogen verteilt. Der Durchmesser der Kunststoffteilchen beträgt je nach Art der Dispersion 0,03 μm bis 5 μm. Dabei sind die Teilchen so klein, dass sie mit dem bloßen Auge nicht sichtbar sind. Bei den Produkten für die Folienkaschierung werden sehr feinteilige Dispersionen mit ca. 200 – 800 nm Teilchengröße eingesetzt (1 nm = 0,001 μm), die sehr klare und transparente Filme ergeben. Das technische Datenblatt der Jowacoll®-Dispersionsklebstoffe gibt Auskunft über den Festkörpergehalt, die Viskosität, den pH-Wert sowie Hinweise zu klebtechnischen Eigenschaften und Verarbeitungsparametern.

Filmbildung

Um einen Verbund zwischen zwei Substraten zu erzielen, müssen die unterschiedlichen Klebstoffsysteme beim Auftrag auf die Folie in flüssiger oder fließfähiger Form vorliegen. Der Filmbildungs- und Verfestigungsmechanismus während des Abtrocknungsvorgangs ist in erster Linie ein physikalischer Vorgang. Dabei verdunstet das Dispersionswasser und die Kunststoffteilchen rücken zwangsweise immer näher zueinander. Schließlich erfolgt der Kontakt der Teilchen miteinander. Nach dem vollständigen Verdunsten des Wassers wird der Kapillardruck zwischen den Teilchen so groß, dass sich die Partikel durchdringen und die Polymerketten zusammenfließen. Es entsteht ein fester Film, der den Klebverbund zwischen Folie und Druckträger nach der Kaschierung sicherstellt.

Anwendungshinweise und Empfehlungen

Lagerung

Dispersionsklebstoffe sollen grundsätzlich bei Raumtemperatur gelagert werden. Bereits bei Temperaturen unter 5 °C kann die Dispersion durch vorzeitige Koagulation (Zusammenballung von Klebstoffbestandteilen) der Kunststoffteilchen beschädigt werden. Unter Umständen kann es nach längerer Lagerzeit beim Kunden zu einem leichten Absetzen der Kunststoffteilchen auf dem Boden des Verpackungsgebindes kommen (Sedimentation). In diesem Fall kann ein Aufrühren mit einem Rührgerät erfolgen, um die Dispersion wieder zu homogenisieren. Bei Hautbildung auf einem zuvor bereits geöffneten Gebindes ist diese zu entfernen. Bitte beachten Sie, dass eine gebildete Haut immer eine Quelle von Partikeln sein kann und damit die Gefahr von Streifenbildung birgt. Die Gebinde sollen immer möglichst luftdicht gelagert werden. Vor dem Einsatz soll der Klebstoff eine „normale“ Verarbeitungstemperatur von etwa 15 °C – 25 °C erreicht haben. Eine zu niedrige Temperatur kann zu eingeschränkten Verlaufseigenschaften des Klebstoffes auf den zu beschichtenden Substraten führen.

Voraussetzungen für ein gutes Kaschierergebnis

Die verwendete Druckfarbe sollte der DIN ISO 2836 entsprechen. Demnach müssen zur Anwendung kommende Druckfarben lösemittelecht (DIN ISO 2836; 6.2.2, 6.2.3) und alkaliecht sein (DIN ISO 2836; 5.3). Bei Einsatz von  Sonder- bzw. Pantonefarben kann es zum Ausblutendes Farbpigmentes nach der Kaschierung kommen. Die Druckfarben müssen vor dem Kaschiervorgang abgetrocknet sein. Gegebenenfalls müssen die Druckbogen durch Umstapeln gelüftet werden. Optimal für ein perfektes Kaschierergebnis sind gestrichene, gussgestrichene oder satinierte Papiere und Kartons. Die Oberflächenspannung der zum Einsatz kommenden Folie und auch der Druckfarbe sollte mindestens 38 mN/m betragen. Eine Überprüfung mit Testtinten ist empfehlenswert (siehe Abbildung).

Aus optischen Gründen sollte eine Primerung der Druckbogen einer Druckbestäubung durch Druckpuder vorgezogen werden. Durch den Tesa-Test ist sicher zu stellen, dass der Primer eine ausreichende Haftung zur Druckfarbe besitzt. Sind die zu verarbeitenden Druckbogen dennoch gepudert, sollte der Puder mittels in der Kaschieranlage vorhandener Glätt- oder Bürstwalze soweit wie möglich entfernt werden. Ist dieses nicht möglich, sollte aus Qualitätsgründen die Klebstoffmenge erhöht werden, sodass der Druckpuder in die Klebstoffschicht eingebettet wird und die Körnung auf dem kaschierten Bogen visuell nicht hervortritt und nicht mehr störend wirkt.

Vor dem Einsatz in der Kaschieranlage

Da die Veredelung von Printprodukten eine High-End-Anwendung darstellt, ist auf eine außerordentliche Reinheit in und an der Verarbeitungsanlage zu achten. Kleinste Verunreinigungen (wie etwa Aerosole aus an Druckmaschinen verwendeten Silikonsprays oder ölige Putzlumpen) können zu massiven Qualitätseinbußen in Form von Benetzungsstörungen führen.
In der Anlage befindliche Walzen und Zylinder (Auftragswalze, Umlenkwalzen, Trockenwalze, Kaschierzylinder, Gegendruckwalze) müssen frei von Verunreinigungen sein. Der Vorratsbehälter, die Pumpe sowie die Schlauchleitungen sollten sauber und frei von Klebstoffrückständen sein. Nur so kann verhindert werden, dass Bestandteile in den Klebstoffkreislauf gelangen. Der Einlaufstutzen der Versorgungsleitung in die Klebstoffwanne sollte mit einem Filter versehen werden (z.B. Filter aus 80 μm Feingewebe).

 

Empfehlung zur Dosierung des Vernetzers

Für Kaschierarbeiten, welche in weiteren Prozessschritten starken mechanischen
Beanspruchungen ausgesetzt sind, bietet sich eine Dosierung von 1,5 - 5 % vom Vernetzer an.
Dieses empfiehlt sich insbesondere bei folgenden Arbeiten:

• Rillen
• Prägen
• Heißfolienprägen
• Stanzen
• Falzeinbrennen
• 3-Messer- und Plano-Beschnitt

Speziell bei der Verwendung unelastischer und steifer Folien (wie z. B. Acetat- oder PET- Folien) empfiehlt
sich die Zugabe eines Vernetzers, um die durch die Verformung des Verbundes entstehenden
höheren Rückstellkräfte der Folie (im Vergleich zu „elastischen“ OPP-Folien) besser kompensieren zu
können. Auch bei dickeren Kaschierfolien (z. B. 30 μm Forchheim-Folie) empfiehlt sich ein Vernetzereinsatz,
da die Folienrückstellkräfte mit zunehmender Foliendicke ebenfalls stärker auf den Verbund wirken.

 

Reinigung

Im nicht ausgehärteten Zustand die Maschine mit kaltem oder warmen Wasser unter Verwendung von Jowat® Reinigungskonzentrat 192.40 reinigen. Bereits angetrockneter Klebstoff kann unter Verwendung von Jowat® Verdünnung 401.30 wieder angelöst werden. Bitte beachten Sie dazu das technische Datenblatt und das Sicherheitsdatenblatt.

Informationen zum Mischen

Ansetzen eines 2K-Klebstoffsystems

Für den Fall, dass die Vernetzerkomponente manuell beigemischt wird, gilt es folgende Vorgehensweise unter der Beachtung der im Sicherheitsdatenblatt genannten Maßnahmen zu beachten:

1.

Abfüllen von Vernetzer Jowat® 195.70/79 in ein Dosiergefäß, welches ausschließlich nur für Jowat® 195.70/79 verwendet wird.

2.

Wird der Vernetzer aus 1,25 kg-Flaschen beigesetzt, muss die Verschlusskappe aufgeschnitten werden.

3.

Angebrochene und im Gebrauch befindliche Kanister immer wieder verschließen, um Reaktionen mit Feuchtigkeit zu vermeiden.

4.

Ideal ist die Vorbereitung einer Klebstoffmenge von 25 bis 30 kg einer Jowacoll® Dispersion, damit ein schneller Verbrauch gewährleistet ist. Restmengen einer alten Mischung können in kleinen Mengen mit neuen Mischungen verarbeitet werden, sollten allerdings nur bei optisch unkritischen Arbeiten zum Einsatz kommen.

5.

Der Mischvorgang erfolgt mit einer elektronisch regelbaren Bohrmaschine und Rührspindel.

6.

Befüllen Sie den Mischbehälter mit Jowacoll® 764.xx ohne große Schaumentwicklung. Eliminierung vorhandenen Schaums mittels Zerstäuber. Das Sprühmittel besteht aus einer Wasser/Alkohol (Ethanol)-Mischung. Mischverhältnis 10:1.

7.

Starten des Mixers im mit Jowacoll® 764.xx gefüllten Gefäß. Anschließend mischen Sie den Vernetzer Jowat® 195.70/79 langsam und kontinuierlich bei mittlerer Rührgeschwindigkeit von ca. 1.000 U/min innerhalb von 90 s direkt an die Mischspindel ein und rühren danach weitere 90 s, damit eine sofortige und feine Verteilung des Vernetzers im Klebstoff erfolgen kann.

Bitte beachten !

Es ist darauf zu achten, dass keine große Schaumentwicklung beim Mischvorgang entsteht, um eine Partikelbildung durch Trocknung (Kristallbildung) zu verhindern.

Zu vermeiden sind:
• zu hohe Rührgeschwindigkeit und dadurch zu starke Lufteinmischung
• zu geringe Eintauchtiefe der Mischspindel und dadurch ebenfalls zu starke Lufteinmischung

Wasseremulgierbare, aliphatische Isocyanat-Vernetzer – wie Jowat® 195.70/79 – reagieren ebenfalls mit Wasser oder Luftfeuchtigkeit. Dadurch entstehen Nebenreaktionen zu Polyharnstoffketten und ggf. zu Kristallen die Partikel verursachen können! Um diesen Effekt so klein wie möglich zu halten, sollte der Vernetzer so feinteilig und so homogen wie möglich eingearbeitet und fertige Mischungen so schnell wie möglich verarbeitet werden. Dieses reduziert im weiteren Produktionsverlauf die Gefahr von Auftragsstörungen in Form von Rakelstreifen.

Downloads

Für weitere Details und Informationen zu Topfzeiten, Weiterverarbeitbarkeit, Maschinen- und Verfahrenstechnologie sowie Qualitätssichernden Maßnahmen für den Anwendern beachten Sie bitte die PDF Version des Manuals.

Anwendungsbereich

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